Hörkolumne: Hörgerät mit Teppich

Betonwände, freie Fensterfronten, Hochglanz-Möbel. Fürs Auge stilvoll, sind solche Räume für die Ohren die blanke Katastrophe. In modern eingerichteten Häusern ist die Akustik zuweilen wie in einer Kathedrale. Kann sich der Schall nirgends in Stoffen verfangen, an unebenen Oberflächen zerstreuen oder im Gebälk verheddern, so wird die Tafelrunde mit Freunden zur akustischen Qual. Wir hören zwar das Stimmengewirr, verstehen aber nur wenig und müssen uns mit freundlichem Lächeln und Nicken durchmogeln.

In der Besprechung mit einer Kundin zeigten die Aufzeichnungen in ihren Hörgeräten, dass sie sich zu 30% in halliger Umgebung aufgehalten hatte. Darauf angesprochen bestätigte sie, dass sie ihre Aussicht nicht mit Vorhängen verdecken wolle, ihren Glastisch liebe und der richtige Teppich noch nicht gefunden sei.

In solchen Räumen kann man selbst mit den besten Hörgeräten nicht gut verstehen. Manchmal muss ich meinen Kunden mit dem Hörgerät auch gleich einen Teppich verschreiben...



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